In Deutschlands Schulen wird analog gelernt

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Juni 26, 2018 Comments (0) Personalmarketing, Studien

Deutsche Bahn verzichtet künftig auf Motivationsschreiben

Deutsche Bahn verzichtet künftig auf Motivationsschreiben | © ViennaFrame / Fotolia

Ein Motivationsschreiben geht den wenigsten leicht von der Hand. Bei der Suche nach Auszubildenden geht die Deutsche Bahn deshalb einen neuen Weg. Ab 2019 sollen für die Bewerbung auf Ausbildungsstellen keine Anschreiben mehr nötig sein. Das hat Vor- und Nachteile.

Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr rund 3.600 Auszubildende einstellen. Insgesamt hofft das Unternehmen auf 19.000 neue Mitarbeiter. Dabei spürt auch der Großkonzern den Fachkräftemangel und hat Probleme beim Finden von Azubis. Weil das Motivationsschreiben eine vermeintlich große Hürde bei der Bewerbung darstellt, soll ab 2019 auf diesen Bewerbungsstandard verzichtet werden. „Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen“, meint Dr. Carola Hennemann, Recruiting-Leiterin der Region Südwest.

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© Staufenbiel Institut und Kienbaum

Lebenslauf ist wichtiger

Das Anschreiben gehört normalerweise zu den festen Bestandteilen jeder Bewerbung. In der Regel steht es sogar am Anfang und damit vor dem Lebenslauf und den Zeugnissen. Dennoch ist es in der Praxis so, dass 75 Prozent der Personaler sich zunächst den Lebenslauf und nur 22 Prozent zuerst das Anschreiben anschauen. Auch ist das Anschreiben in den Augen der Personaler nur der viertwichtigste Bestandteil einer Bewerbung: Nur 71 Prozent der Befragten der JobTrends 2017 halten den einleitenden Text für wichtig. Der Lebenslauf dagegen wird von 99 Prozent der Studienteilnehmer als wichtig empfunden.

Dass Bewerbungsschreiben bei der ersten Betrachtung häufig hinten runterfallen, zeigen auch Statistiken zum ersten Bewerbercheck. Ganze 40 Prozent betrachten die einzelne Bewerbung anfangs für weniger als fünf Minuten, 47 Prozent immerhin zwischen sechs und 15 Minuten. Das legt die Vermutung nahe, dass der zukünftige Verzicht auf das Anschreiben nicht nur der Entlastung der Bewerber, sondern auch der Zeitersparnis der Personaler dienen soll.

Vor- und Nachteile von Motivationsschreiben

Dass das Anschreiben in Zukunft zumindest bei der Deutschen Bahn wegfallen soll, hat Vor- und Nachteile. Selbstredend stellt das Verfassen eines zusammenhängenden Textes für manche Bewerber eine Herausforderung dar und kann somit zu Hemmungen führen. Ebenfalls entlastet der Verzicht auf das Anschreiben die Personaler, die mit großen Mengen an Bewerbungen konfrontiert sind.

Auf der anderen Seite entgeht dem Arbeitgeber gleichzeitig eine Möglichkeit der grundsätzlichen Eignungsprüfung der Bewerber. Die Fähigkeit, fehlerfrei Texte zu schreiben, sollte normalerweise in jedem Beruf vorausgesetzt sein. Nebenbei kommen die Bewerber in der Regel aus mindestens zehn Jahren allgemeiner Schulbildung, in denen sie ebenfalls längere Texte verfassen mussten.

Noten werden wieder wichtiger

Es darf gespannt sein, ob es der Bahn gelingt, ihre 3.600 Ausbildungsplätze zu besetzen, und auch darauf, ob die zukünftigen Azubis für eine Karriere bei einem Staatskonzern geeignet sind. Durch den Verzicht auf das Motivationsschreiben legt die Bahn die Prioritäten jedenfalls weiter auf Zeugnisse und Noten – und bevorzugt damit vermutlich weiter diejenigen, die im Zweifel auch das bessere Anschreiben eingereicht hätten.

Beitragsbild: © ViennaFrame / Fotolia

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